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Dies ist das Kapitel 3.5. aus dem Beitrag: "Die elektromagnetische Umweltverschmutzung und die Gesundheit der Bevölkerung Russlands" von Grigorjew J.G., Grigorjew O.A., Stepanow W.S. und Palzew J.P

Der ganzseitige Beitrag wurde im Buch "Die elektromagnetische Umweltverschmutzung und die Gesundheit der Bevölkerung Russlands" in der russischen Sprache 1997 in Moskau unter redaktioneller Leitung von Demin A.K. veröffentlicht.

Das Buch erschien unter Obhut des Fonds "Gesundheit und Umwelt" und der Russischen Assosiation der Volksgesundheit und enthielt ganze Serie von Beiträgen und Aufsätzen zum Thema: "Die Gesundheitspolitik und der Gesundheitsschutz der Bevölkerung". Seine Bibliographie erfasste 608 Quellen. ISBN 5-89300-001-3

 

 

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MÖGLICHE  SPÄTFOLGEN  DER  WIRKUNG  ELEKTROMAGNETISCHER  FELDER  AUF  DIE  BEVÖLKERUNG

 

Als Begründung für das internationale wissenschaftliche Programm der Weltgesundheitsorganisation über die biologische Wirkung elektromagnetischer Felder (1996-2000) wurde folgende These formuliert:

"Voraussichtlich solche Folgen wie Krebserkrankungen, Beeinträchtigung von Verhalten, Gedächtnisschwäche, Parkinsonsche und Alzheimerkrankheit, Aids, das Syndrom des plötzlichen Kindstodes und mehrere andere Folgen, einschließlich einer erhöhten Zahl von Selbstmordfällen, sind das Resultat der schädlichen Wirkung elektromagnetischer Felder. Die Weltgesundheitsorganisation beabsichtigt die Zusammenarbeit mit internationalen Organisationen und Einrichtungen, Regierungsinstitutionen, wissenschaftlichen Forschungseinrichtungen und anderen vergleichbaren Institutionen mit dem Ziel der Vereinigung von Ressource und von Wissen bezüglich der Auswirkungen dieser Felder".

 

Die gleiche Meinung hat auch Herr Prof. M. Repacholi (1996), Vorsitzender der internationalen Kommission zum radioaktiven Schutz vor nicht ionisierter Strahlung geäußert.

Herr Dr. C. Kronstedt hat 1983 für die Umweltkommission in Michigan den "eiligen Bericht" über die biologische Wirkung elektromagnetischer Felder im Ultraniederfrequenzbereich vorgelegt. In diesem Bericht sind die Forschungsergebnisse dargestellt, die auf die wesentliche Korrelation zwischen der Wirkung elektromagnetischer Felder einerseits und der Entwicklung von Krebserkrankungen und Leukosen unter der Bevölkerung sowie dem Auftreten von physischen Missbildungen während der Geburt anderseits hinweisen. Ergebnisse einer Reihe von Forschungen in den USA, der Schweiz, Island, Polen und in andere Länder wurden diesem Bericht zugrunde gelegt.

Goldsmith (1996) hat die Ergebnisse der epidemiologischen Forschungen über die gesundheitsschädliche Wirkung intensiver elektromagnetischer Felder im Rundfunkwellenbereich zusammengefasst. Der Autor meint: Es wurde festgestellt, dass elektromagnetische Felder die gesundheitsschädliche Wirkung auf die Blutbildungsprozesse und Chromosomen, auf Leukämie und Geschwülste im Unterleib bei Frauen, ehemaligen Mitarbeiterinnen der US-Botschaft in Moskau, die nach Meinung der USA-Regierung, elektromagnetischer Strahlung im Ultrahochfrequenzbereich ausgesetzt waren. Der Leukozyten-, und Erythrozytengehalt bei Personal in Radaranlagen des Flughafens in Zagreb hat sich verringert. Der Autor hat die Entwicklung von Tumoren im blutbildenden Gewebe bei Personal in Radaranlagen in der US-Armee festgestellt. Es wurden einige Fälle von Leukämie bei Kindern, die auf der Hawai-Insel in der Nähe von Rundfunkübertragungsstationen leben sowie eine Steigerung von Abtreibungen bei Physiotherapeutinnen, die mit Mikrowellenstrahlungen in Diathermieanlagen zu tun haben, registriert.

Eine der ersten Untersuchungen unter der Bevölkerung in Colorado (USA) hat die Korrelation zwischen der Entwicklung von Tumorprozessen (Leukämie) und der Wirkung elektromagnetischer Strahlung im elektrischen Netz 60 Hz. (Wertheimer, Leeper, 1979).

Die nachfolgenden Untersuchungen der Bevölkerung in Schweden von Tomenius L. (1982) haben die Wahrscheinlichkeit der Entwicklung von Geschwülsten bei Kindern und Jugendlichen faktisch bewiesen. Untersuchungen sind von 1958 bis 1973 durchgeführt worden. Es wurde die Bevölkerungsgruppe im Alter von 0 bis 18 Jahre untersucht. Die Messungen sind innerhalb von 150 Meter entfernt von Wohnhäusern, Übertragungsstationen, Netz-Transformatoren, in U-Bahnstationen, unter elektrischen Eisenbahnleitungen sowie Hochspannungsleitungen erfolgt. Die magnetische Flussdichte schwankte von 0,0004 µT bis 1,9 µT; unter Hochspannungsleitungen 200 kW war sie 0,22 µT. Eine magnetische Flussdichte von 0,3 µT und höher war um 48 Wohnhäusern herum gemessen; gerade dort hat man Geschwülste zweimal öfter registriert. Es waren Geschwülste im Nervensystem, Leukosen (Tabelle 4.1).

 

 

Tabelle 4.1.    Die Wahrscheinlichkeit des Entstehens von Tumoren (Leukämie) bei Kindern, die Kontakte mit elektromagnetischen Feldern hatten (der Wohnort in der Nähe von Hochspannungsleitungen, die Wirkung von elektrischen Haushaltsgeräten und anderen Quellen elektromagnetischer Strahlung).

 

Publikationen

Spätfolgen

Es besteht eine Verbindung (+)

Es besteht keine Verbindung (–)

Wertheimer N., Leeper E., 1979 (USA)

Leukämie

+

Fulton J. et al., 1980 (Island)

Leukämie

Tomenius L., 1982, 1986 (Schweden)

Leukämie

+

Myers A. et al., 1985 (USA)

Leukämie

Savitz O. et al., 1988 (USA)

Leukämie

+

London. et al., 1991 (USA)

Leukämie

+

Feychting, Ahlbom. 1992 (Ahlbom,

Feychting, 1993) (Schweden)

Leukämie

+

Verkasalo. et al., 1993 (Finnland)

Leukämie

Hirntumore

+

Pearson. et al., 1995 (USA)

Tumore

+

Olsen. et al., 1993, 1995 (Dänemark)

Leukämie

Hirntumore

Lymphomen

+

+

+

Petridou. et al., 1993 (Griechenland)

Leukämie

 

 

Epidemiologische Untersuchungen wurden unter der Bevölkerung später mit dem Ziel der Überprüfung der Hypothese über die Wahrscheinlichkeit der Entwicklung von Tumoren nach dem Kontakt mit elektromagnetischen Feldern durchgeführt. Die meisten Bewohner lebten in der Nähe von Hochspannungsleitungen (Tabelle 4.2). In Schweden erfolgte eine große epidemiologische Untersuchung, die 1992 beendet wurde (Feychting, Ahlbom. 1992, 1993). Es wurden bis zu 500.000 Menschen beobachtet und untersucht, die länger als ein Jahr bis zu 25 Jahren im Zeitraum von 1960 bis 1985 800 Meter entfernt von Hochspannungsleitungen mit einer elektrischen Leistung von 200 kW und von 400 kW gewohnt haben. Auf Grund der sorgfältigen statistischen Datenbearbeitung wurde die Schlussfolgerung über die Korrelation zwischen der Krebsentstehung, insbesondere Kinderleukämie unter der Wirkung magnetischer Felder in unmittelbare Nähe von Hochspannungsleitungen bestätigt. Das relative Risiko der Entwicklung von Kinderleukämie steigt mit der erhöhten Wirkung magnetischer Felder: Das Risiko, das bei einer Flussdichte bis 0,1 µT mit 1 bestimmt wird, steigt bis 3,6, wenn die Flussdichte magnetischer Felder 3,8 µT erreicht. Das Geschlecht, das Alter von Kindern, der territoriale Wohnsitz sowie die Feststellungszeit der Diagnose hatten keinen Einfluss auf dieses Ergebnis. Es muss jedoch betont werden, dass die Entwicklung von akuter oder chronischer Leukämie bei Erwachsenen keine so eindeutige Korrelation wie bei Kindern hatte.

 

 

Tabelle 4.2.    Das Risiko des Entstehens von Tumoren (Leukämie) bei Erwachsenen, die in der Nähe von Hochspannungsleitungen und Radaranlagen leben, Eisenbahn als Verkehrsmittel sowie elektrische Haushaltsgeräte (elektrische Heizdecken) und andere Quellen elektromagnetischer Strahlung nutzen.

 

Publikationen

Spätfolgen

Es besteht eine Verbindung (+)

Es besteht keine Verbindung (–)

Silverman, 1979, 1980

Leukämie

Robinette et al., 1980

Leukämie

+

Wertheimer, Leeper, 1982

Leukämie

+

Szmigielski et at., 1982

Leukämie

+

 

Schilddrüsenkrebs

+

 

Lungenkrebs

+

McDowall M., 1986

Leukämie

Stevens R. et at., 1986

Leukämie

Wena et al., 1991, 1994

Leukämie

Roderus et at., 1993

akute Leukämie

chronische Lymphoide-Leukämie

Hirntumore

 

+

+/–

Fezchiting et al., 1992, 1994

Leukämie

Chronische Lympholeukose

Hirntumore

+/–

 

 

In der gleichen Zeit und mit dem gleichen Ziel wurden in Schweden Forschungen durchgeführt, es wurde Personal untersucht¸ das ständigen magnetischen Strahlungen industrieüblicher Frequenz ausgesetzt ist (Floderus et al., 1992). Die Ergebnisse auf der Grundlage eines großen Auszuges und der sorgfältigen statistischen Bearbeitung haben den Autoren ermöglicht, die Schlussfolgerung zu ziehen über die Risikoerhöhung bei dem Entstehen eines Tumorprozesses unter ständiger Wirkung magnetischer Felder industrieller Frequenz.

Diese Untersuchungsergebnisse haben dazu beigetragen, dass die Behörde zur Entwicklung der Wissenschaft und Technik in Schweden (NU-TEK) 1993 eine eigene Einschätzung der entstandenen Situation formulierte: "Die Resultate den zwei letzten epidemiologischen Studien veranlassen uns, eine eigene Stellung zur Problematik über die Gefahr für die Gesundheit der Wirkung magnetischer Felder industrieller Frequenz zu beziehen: Bei der künftigen Zusammenarbeit mit Betrieben und in den Empfehlungen für Elektroanlagen geht NU-TEK davon aus, dass zwischen magnetischen Feldern industrieller Frequenz und Krebserkrankungen, in erster Linie bei Kindern, eine Verbindung besteht" (Bjarme, 1993).

Die Häufigkeitserhöhung von Krebserkrankungen bei Kindern haben Wissenschaftler auch in den USA betont (Pearson et al., 1995).

In den USA hat man Informationen über die mögliche Entwicklung von Krebserkrankungen auch bei Erwachsenen, die Kontakte mit elektromagnetischen Feldern im Niederfrequenzbereich (Wertheimer, Leeper, 1982) hatten. Es wurde fest gestellt, dass Arbeiter im Telekommunikationsbereich in New York ein erhöhtes Leukose-Risiko mit der Latentperiode von 10 bis 15 Jahren haben (Matanoski, et al., 1990). Die Wissenschaftler in der Universität in Nord-Carolina (USA) haben nach der Untersuchung einer ausreichenden Zahl von Patientinnen, die von 1985 bis 1989 Kontakt mit elektromagnetischen Feldern von hatten, festgestellt: Die Wirkung elektromagnetischer Felder erhöht das Brustkrebsrisiko. In den USA 1991 wurden Informationen veröffentlicht, welche die Schlussfolgerung ermöglichen, dass solche Kinder, die Computerspiele, elektrische Heizdecken oder andere elektrische Heizgeräte systematisch nutzen, sind dem erhöhten Leukose-Risiko ausgesetzt sind.

In der Forschung in Polen (1971-1980) hat man herausgefunden, dass die Militärangehörigen, die unter dem ständigen Einfluss der hochdosierten Mikrowellenstrahlung in Radaranlagen stehen, dreimal öfter als die Arbeiter in anderen Berufen von Krebserkrankungen betroffen sind (Szmigielski et. al., 1988). Die Fachleute des Zentrums der Radiobiologie und des Schutzes vor radioaktiver Strahlung in Warschau haben "ein gewisses erhöhtes Risiko der geschwulstartigen Neubildungen als Resultat der Wirkung von Mikrowellenstrahlung am Arbeitsplatz" festgestellt. Bei jenen Menschen, welche der elektromagnetischen Feldern ausgesetzt sind, ist die Wahrscheinlichkeit des Tumorentstehens im Lymphgefäßsystem und in den Blutbildungsorganen 6,7 Mal höher, des Entstehens des Schilddrüsenkrebses 4,3 Mal höher. Lungenkrebserkrankungen treten besonders oft auf unter polnischen Militärangehörigen, die Kontakte mit Mikrowellenstrahlung haben. Die Steigerung von Krebserkrankungen ist vom Alter abhängig. Die Militärangehörigen im Alter von 20 bis 30 Jahren, die von sehr intensiven elektromagnetischen Feldern bestrahlt worden sind, waren 5,5 Mal öfter Krebserkrankungen ausgesetzt als Landsmänner im gleichen Alter. Jedoch im Alter von 50 bis 60 Jahren betrug die Überschreitung nur 1,6 Mal; dies könnte mit der Aktivitätssenkung der Endokrindrüsen zusammen hängen.

Von 1968 - 1986 sind in Dänemark 1.707 Kinder im Alter bis zu 16 Jahren, die in der Nähe von Hochspannungsleitungen lebten, untersucht worden; bei ihnen entstanden Hirntumore, bösartigen Lymphomen, Leukämie (Olsen et. at., 1993, 1995). Diese Informationen hat man mit den Informationen der Kontrollgruppe verglichen: Es wurde die Korrelation zwischen dem Tumorentstehen bei Kindern und dem Wohnsitz in der Nähe von Hochspannungsleitungen bei einer Flussdichte ab 0,3 / 0,4 µT und höher festgestellt. In anderen Arbeiten (Duenel et al., 1993) in Dänemark von 1970 bis 1987 hat man 2,8 Mio. Menschen untersucht, hier hat sich bei einer Flussdichte ab 0,1 µT eine wenige exakte Korrelation herausgestellt. Das erhöhte Leukämie-Risiko hat man nur bei Männern beobachtet, die einen dauerhaften Kontakt mit elektromagnetischen Feldern hatten.

 

 

Tabelle 4.3.    Die Ergebnisse epidemiologischer Untersuchungen über mögliche krebserregende Wirkung elektrischer und magnetischer Felder industrieller Frequenz (Berufstätige in Elektroindustrie)  

 

Autor

Spätfolgen

Es besteht eine Verbindung (+)

Es besteht keine Verbindung (-)

McDowall M. 1983 (England)

Leukämie

+

Mask, 1982 (USA)

Leukämie

+

Milcham S., 1982 (USA)

Leukämie

+

Coleman, 1983 (England)

Leukämie

+

Matanovski G., 1990, 1991 (USA)

Leukämie

+

Wertheimer N., Leeper E., 1982 (USA)

Leukämie

+

Szmigielski et al., 1988 (Polen)

Leukämie

+

Tornquist et al., 1991 (Schweden)

Leukämie

Hirntumore

+

+

Youngson et al., 1991 (England)

Leukämie

Floderus et al., 1992 (Schweden)

Leukämie

Hirntumore

+

+/–

Robinson et al., 1991 (USA)

Leukämie

+/–

Wena et al., 1991, 1994 (USA)

Brustkrebs

Theriault et al., Hutzler et al., 1994

Leukämie

+

(Frankreich, Kanada)

Astrozythom

+/–

Savintz et al., 1995 (USA)

Leukose

Hirntumore

+

+

London et al., 1994 (USA)

Leukämie

Chronische Miloleukämie

+

Wertheimer et al., 1987 (USA)

Brustkrebs

+

Demers et al., 1990, 1991 (Schweden)

Leukämie

Brustkrebs

+

+

Duenel et al., 1993 (Dänemark)

Leukämie

Hirntumore

Brustkrebs

+

Motanoski et al., 1991 (USA)

Leukämie

Brustkrebs

Loomis et al., 1992, 1994 (USA)

Leukose

Brustkrebs

+/–

+

Tynes et al., 1990, 1994, 1995

Brustkrebs

+/–

(Norwegen)

Leukose

Hirntumore

+/–

+/–

Rosenbaum et al., 1994 (USA)

Brustkrebs

+

Theriault et al., 1994 (Frankreich)

Leukämie

Hirnkrebs

+

+/–

Lovely et al., 1994 (Schweden)

Leukämie

+

 

 

In Finnland wurden 134.800 Kinder im Alter bis zu 19 Jahren (68.000 Jungs und 66.500 Mädchen) untersucht, die von 1970 bis 1989 in 500 Meter entfernt von Hochspannungsleitung von 110 bis 400 kW und mit einer Verrechnungsflussdichte ab 0,1 µT (Verkasalo, 1993) lebten. Einen statistisch bedeutungsvollen "Überfluss" von Hirntumoren hat man bei Jungs festgestellt, die dem Einfluss magnetischer Strömung mit einer Flussdichte über 0,2 µT, einer Kumulationseinwirkung über 0,4 µT pro Jahr ausgesetzt waren. Das Ergebnis der Untersuchung war: Wahrscheinlich stellen die magnetischen Felder der Hochspannungsleitungen mit einer Flussdichte von ca. 0,2 µT keine ernsthafte Gefahr für die Bevölkerung dar, wenn man von Krebserkrankungen bei Kindern absieht; es besteht jedoch die Wahrscheinlichkeit der Gefahr des Entstehens von Geschwülsten bei höheren Induktionsmesswerten magnetischer Felder.

1994 wurden Ergebnisse der gemeinsamen kanadisch-französischen Untersuchung veröffentlich über das wahrscheinliche Krebsrisiko für einige Berufstätige, die Elektroanlagen betreuen und dem Einfluss magnetischer Felder industrieller Frequenz ausgesetzt waren. (Theriault et al.,1994; Hutzler et al., 1994). Hier hat man das Krebsrisiko im Zusammenhang mit der Wirkung elektromagnetischer Felder bei den Beschäftigten in den Energie-Unternehmen Hydro Quebeck und Ontario Hydro in Kanada sowie in Elektriciti de France (EDF) in Frankreich eingeschätzt. In Frankreich erfolgten die Untersuchungen von 1978 bis 1989 und in Kanada von 1970 bis 1988. Insgesamt wurden mehr als 223.000 Personen untersucht, darunter 21.749 in Hydro Quebeck, 31.543 in Ontario Hydro und 170.000 in EDF. Aus der Gesamtzahl der Untersuchungspersonen hatte man für die intensive Beobachtung 4.151 Krebskranke und 6.106 Personen als Kontrollgruppe ausgewählt. Die Autoren haben für alle Leukämiearten, darunter akute, ein statistisch bedeutungsvolles Krebsrisiko festgestellt, das mit kumulativer Wirkung magnetischer Felder zusammenhängt. Man hat eine Tendenz zur Astrozytoseentwicklung angedeutet. Die umfangsreichen Forschungen wurden von Savitz (1995, USA) durchgeführt. Die Autoren haben 20.733 Todesfälle von Männern analysiert, die als Angestellte in 5 Elektroindustrie-Unternehmen in den USA tätig waren. Man hat die mögliche kumulative Wirkung elektromagnetischer Felder auf Grund beruflichen Charakteristiken sowie direkter Messungen während der insgesamt 2.842 Arbeitsschichten durchgerechnet. Die Analyse hat die Erhöhung des Leukämie-Risikos für Elektriker, aber nicht für Funker und für Operateure der Felder im Niederfrequenzbereich festgestellt. Es hat sich eine Korrelation zwischen dem Entstehen von Hirntumoren und der Wirkung elektromagnetischer Felder herausgestellt.

In einer anderen Forschungsarbeit in den USA (London et al., 1994) wurde keine Korrelation zwischen elektromagnetischen Feldern und akuter Leukämie bei den Beschäftigten eines Elektrounternehmens festgestellt; jedoch stellte sich ein positiver Zusammenhang zur chronischen Miloleukämie heraus.

Tunes (1990, 1992, 1994, 1995) hat rund 38.000 norwegische Arbeiter untersucht, die insgesamt ca. 800.000 Stunden als Elektriker gearbeitet haben. Dabei wurde festgestellt, dass die Wahrscheinlichkeit des Brustkrebs-, Hirntumoren- und Leukämierisikos viel zu hoch ist. Zu dem gleichen Ergebnis sind auch Demers (1990) und einige anderen gekommen. In Schweden wurden 227 Elektriker, Telefonisten und andere Fachleute untersucht, die Kontakt mit elektromagnetischer Strahlung hatten. Zu den Firmen mit solchen Berufstätigen in so genannten Elektro- und Elektronikberufen, die elektromagnetischer Strahlung im Ultraniederfrequenzbereich über die Grenzwerte ausgesetzt sind, gehören: Milcham, 1982, USA; Mask, 1982 (USA); McDowall, 1983 und Coleman, 1983, England (Tabelle 4.3).

In der Floderus Forschung wurde die Erhöhung des chronischen Lymphleukämie-Risikos betont sowie die Tendenz in der Korrelation zwischen Hirntumoren unter Einwohnern, die in der Nähe von Hochspannungsleitungen leben. Die Autoren haben jedoch keine Informationen über die Erhöhung des Miloleukämie-Risikos bei der gleichen Bevölkerungsgruppe.

1992 hat man in Deutschland mit den epidemiologischen Untersuchungen über die Wahrscheinlichkeit der Tumorentwicklung unter der Bevölkerung in Niedersachsen und im Großraum Berlin begonnen, die laut dem Programm 1995 beenden werden. Die ersten viel versprechenden Resultate zu dieser Problematik wurden schon in der Presse veröffentlicht (Haas et al., 1995).

Ende 1995 wurden 14 Studien veröffentlicht über die epidemiologische Untersuchung der Wahrscheinlichkeit des Brustkrebsentstehens bei Frauen, die Kontakt mit elektromagnetischen Feldern beruflich oder im Haushalt (elektrische Heizdecken) haben. Die Wahrscheinlichkeit des Brustkrebsentstehens wurde mit der Hypothese begründet: Die Ausschüttung des Hormons Melatonin unter dem Einfluss elektromagnetischer Felder sinkt. Dies kann eine bestimmte Rolle spielen für das Entstehen von Geschwülsten in der Brust. Demers und einige anderen Autoren (1990, 1991) haben die Informationen über die Erhöhung des Risikos beim Entstehen von Brustkrebs bei Frauen, die Elektroberufe ausüben (Elektrikerinnen, Telefonistinnen, Arbeiterinnen an Elektrostationen). Loomis (1992, 1994) hat eine Untersuchung von Elektrikerinnen durchgeführt und festgestellt, dass diese Berufsgruppe ein erhöhtes Brustkrebsrisiko hat im Vergleich mit anderen Berufsgruppen. Einige andere Untersuchungen haben keine übereinstimmende Korrelation festgestellt bzw. deren Ergebnisse waren nicht glaubwürdig genug (Motanoski et al., 1991; Schreiber et al., 1993; Cantor et al., 1995).

Es ist wichtig zu betonen, dass Korrelationen festgestellt wurden zwischen dem erhöhten Fon elektromagnetischer Felder und dem Entstehen von Tumoren ungefähr in der Hälfte der durchgeführten Untersuchungen; es betrifft sowohl die Beschäftigten in den Betrieben als auch die Bevölkerung (Tabellen 4.1; 4.2; 4.3). Das Entstehen von Tumoren (Leukämie) bei der Bevölkerung und bei Kindern verbindet man in erster Linie mit dem Einfluss elektrischer und magnetischer Felder industrieller Frequenz, die von Hochspannungsleitungen in der Nähe von Wohngebieten sowie von elektrischen Haushaltsgeräten und von dem häuslichen Elektronetz ausgehen.

Die Ergebnisse der epidemiologischen Untersuchungen sind mit den experimentellen Tierversuchen an der Universität in Seattle, finanziert durch die Luftstreitkräfte der USA, bestätigt worden. Mit Ratten hat man das breite Spektrum von Effekten unter Einfluss der Mikrowellenimpulse untersucht. Es wurde festgestellt: Bei diesen Ratten entwickeln sich unter dem Einfluss von Mikrowellenstrahlung Geschwülste 3 bis 6 Mal öfter als bei der Kontrollgruppe; in der Hälfte der Fälle waren es Endokringeschwülste (Guy et al., 1985). Der Chefredakteur der Zeitschrift "Microwave News" hat dazu einen Kommentar abgegeben: Die Ergebnisse fordern äußerst notwendige weitere Untersuchungen, weil viele Amerikaner unter dem Einfluss der Mikrowellenstrahlungen am Arbeitsplatz und in den Streitkräften stehen. Auf Grund der experimentellen Ergebnisse bleibt die Frage nach dem Entstehen von Hirntumoren durch Nutzen von Handys offen (Salford et al., 1996). Es gibt einige andere Publikationen, die auf die Wahrscheinlichkeit des Entstehens von Tumoren bei Versuchstieren als Resultat der Wirkung magnetischer und elektromagnetischer Felder hinweisen (Marino et al., 1995; Repacholi et al., 1995; Luscher V. et al., 1995).

Bei der Einschätzung der Gefahren im Fall eines dauerhaften Kontaktes der Bevölkerung mit elektromagnetischen Feldern muss man unbedingt berücksichtigen, dass auch einige Umweltfaktoren den Tumorprozess provozieren können. So wurde in der Arbeit von Rosenbaum (1994) festgestellt, dass bei Frauen, die beruflich mit elektromagnetischen Feldern zu tun haben unter der Voraussetzung zusätzlicher Wärmewirkung das Brustkrebsrisiko steigen kann. Richardson (1992) hat unter Elektronikingenieuren während ihrer 30-jahrigen Berufstätigkeit 185 Fälle analysiert und festgestellt, dass ein zusätzlicher Kontakt mit Benzin, Pestiziden und Insektiziden zum Entstehen akuter Leukämie beiträgt. Die zytologisch-genetischen Untersuchungen haben gezeigt, dass bei solch einer Zusammensetzung von wirkenden Faktoren die Zahl der Chromosomen-Aberrationen steigt.

Die jüngsten Berichte von Ahbom (1996), Haas et al., (1995), Grigorjew J. G. (1995), Tynes (1996), Stevens (1994), Elder (1994), Savitz et al., (1994) weisen auf die Aktualität dieses Problems hin.

Die Unterlagen, Daten, Informationen, welche die Wahrscheinlichkeit des Entstehens von so genannten elektromagnetischen Geschwülsten für möglich halten, sind mehrmals im Rahmen des internationalen Forums vorgestellt sowie in den Sonderberichten der Weltgesundheitsorganisation aufmerksam betrachtet worden (Publikationen Nr.: 35, 69, 137).

Im Bericht des Umweltschutzamtes der USA (1990) wurde die Existenz einer wichtigen Korrelation zwischen der Wirkung elektromagnetischer Strahlung im Ultraniederfrequenzbereich und dem Entstehen von Tumoren bei Menschen betont. Im Einzelnen wurde berichtet, dass einige Untersuchungen über die Wahrscheinlichkeit des Entstehens von Leukämie, Lymphose und Hirntumoren bei Kindern, die mit magnetischen Feldern von elektrischen Haushaltsgeräten, Umspannwerken mit Frequenzen von 50 bis 60 Hz bestrahlt worden sind, einige ähnliche Ergebnisse aufweisen mit Untersuchungen unter Erwachsenen, die beruflich unter Einfluss elektromagnetischer Strahlung stehen.

Die Öffentlichkeit in England hat den Zusammenhang zwischen Mikrowellen und Krebserkrankungen als ein sehr wichtiges soziales Problem breit diskutiert (Zeitschrift "Neu Science", 1985, Nr.:1451). Es soll bemerkt werden, dass es in einigen Forschungen nicht gelungen ist, eine Korrelation zwischen dem Entstehen von Tumoren (Leukämie) und der Wirkung elektromagnetischer Felder auf den menschlichen Organismus festzustellen (Silveman, 1979, 1980; Stevens et al., 1986; McDowall, 1986; Schreiber et al., 1993; Joungson et al., 1991; Sahl et al., 1993 und mehrere anderen).

Wir sind der Meinung, dass Folgendes unbedingt betont werden muss: Die Ergebnisse über die Wahrscheinlichkeit des Entstehens eines Tumorprozesses bei Personen, die Kontakt mit elektromagnetischen Feldern haben, sind in führenden ausländischen Zeitschriften veröffentlich worden: The American J. of Epidemiology; The International J. of Epidemiology; English Medical Journal; Lancet; The New England J. of Medicine; Bioelectromagnetics; Health Physics; Microwave News; Brit J. Cancer; British Med. J.; Science; British J. of Industrial Epidemiology.

Bei einer Feldstärke von 50 bis 60 Hz und einer Flussdichte von 0,2 bis 0,4 µT hat man eine ziemlich stabile Korrelation zwischen dem Entstehen von Tumoren (Leukämie) und der Wirkung magnetischer Felder festgestellt. Die internationalen hygienischen Normen schreiben den Grenzwert 100 µT vor (Interim Guidenes on Limits of Exosure to 50 - 60 Hz Electric and Magnetic Fields. IRPA/INIRG Guide lines. Jn. Health Physics, 1990, v. 58, N 1, pp. 113 – 123), also 30 Mal höher. Die Expertengruppe aus den USA hat 1995 jedoch vorgeschlagen, diese Normen herunterzusetzen, und zwar bis 0,2 µT (R. Edwards. New Scientist, No 1998, 1995). Die gleiche Meinung hat man im Bericht des englischen Komitees zum Schutz vor radioaktiven Strahlen geäußert (Muirhead. 1995).

Zur Zeit sind viele Fachleute der Meinung, dass der Grenzwert in der Höhe von von 0,2 bis 0,4 µT festgelegt werden muss. Dadurch, dass alle gegenwärtigen Grenzwerte viel höher festgelegt sind, verschärft diese Nichtübereinstimmung die ganze Problematik über die Wahrscheinlichkeit des Auftretens von Spätfolgen bei der Bevölkerung infolge schädlicher Wirkung elektromagnetischer Felder.

 

Die Analyse der veröffentlichen Publikationen zeigt die möglichen Korrelationen auf zwischen dem Entstehen eines Tumorprozesses und der Wirkung elektromagnetischer Felder auf den menschlichen Organismus. Zur Zeit gibt es noch keine eindeutige Meinung hinsichtlich dieser Problematik; es ist noch nicht klar, welche zusätzlichen Faktoren die Entwicklung des Tumorprozesses unterstützen, welche Veranlagungen bei Menschen, die Kontakte mit elektromagnetischer Strahlung haben, dazu beitragen; es wird die Möglichkeit betrachtet, wann elektromagnetische Felder sich als Katalysator für Krebserkrankungen erweisen können. Gerade dieser Sachverhalt fordert unbedingt, die schädliche Wirkung elektromagnetischer Felder auf Kinder sowie auch auf Erwachsene zu minimieren sowie die Herstellung vollständig geschützter Strahlenquellen im Haushalt und in der Industrie zu gewährleisten, individuelle Schützgeräte zu benutzen, hygienische und prophylaktische Vorschriften streng einzuhalten.

 

 

  

 

Übersetzung aus dem Russischen:   Ó  Ludmilla Mendelewa  2002